Amayzine

Wenn du Handwerker im Haus hast

Das ist, was du denkst

may zu Hause sitzend am Klavier mit einem Brötchen

Gestern war wieder so ein Tag. Ich hatte Kilos an Aufgaben gesammelt und beschlossen, das von Profis erledigen zu lassen. Erstens habe ich einen ziemlich fleißigen Mann und zweitens verbringe ich die Zeit mit ihm lieber horizontal (kann auch netflixend auf der Couch sein, hör mal) als vertikal hängend an einer Leiter, während wir ein Kanonade von Schimpfwörtern abfeuern, bei der Kapitän Haddock (du weißt schon, der von Tim und Struppi) noch aufblicken würde.

Also hatte ich alles. Eine Lampe aufhängen neben dem Klavier. Ein hübsches Stück hatte ich von Wever & Ducré bestellt. Und einen neuen Fernseher, so einen schönen flachen, der schön an die Wand hängen konnte, sodass das Regal darunter zur Secondhand geben konnte. Es war ein Tag voller Arbeit, aber am Ende des Abends würde ich selig durch mein Haus laufen.

Nun, da kamen meine Freunde. Punkt acht Uhr. Ein schwarzer Kaffee und einer mit ganz viel Milch und beide mit einem Süßstoff. Ich wusste es wirklich noch. Ein kleines Gespräch. Zufrieden auf die bereits geleistete Arbeit schauen und dann war es Zeit für Action. Zuerst die Lampe über dem Küchentisch. Mein Designstück wurde mit Hühnerdraht verglichen, es wurde gelacht, aber sie hing und ich war glücklich. Dann jetzt der Fernseher. Ob eine Halterung dabei war? Ich nickte. Ich hatte es speziell gefragt: ‘Aber wo sind die Kabel dann?’ Nun, äh, ich weiß nicht. An der Rückseite? ‘Aber das geht nicht mit so einem flachen Fernseher. Die Stecker stehen dann zu weit heraus.’ Der andere Handwerker sah, woran es lag: Es war ein flacher Stecker drin. Und es gab ein separates Kästchen. Ein Kästchen, in dem alle Informationen sind, die normalerweise also an der Rückseite des Fernsehers sind. Eine Art korrigierende Unterwäsche, will ich mal sagen. Man kann es irgendwo dünner erscheinen lassen, aber das Volumen muss irgendwo heraus. Bei korrigierender Unterwäsche ist das, wo das Paket endet, beim Fernseher war ‘der Rest’ in einem Kästchen von zehn Zentimetern Breite, fünf Zentimetern Tiefe und fünf Zentimetern Höhe. ‘Wo willst du das Kästchen dann lassen?’ ‘Wo soll das Koaxialkabel dann hin?’ ‘Du hast gesagt, ich soll Strom nach oben ziehen, aber du willst auch das Koaxialkabel, oder? Du willst doch fernsehen?’ Ich ziehe kurz meine Augenbrauen hoch. ‘Äh, ich wollte einfach, dass ihr den Fernseher an die Wand hängt und ich habe gefragt, ob ihr die Kabel verstecken könnt.’ ‘Ja, aber du hast Elektrik gesagt, aber du meinst auch das Koaxialkabel.’ Ich seufze. Ich will einfach nur, dass der Fernseher dort ist und dass ihr das dann macht. ‘Also willst du auch das Koaxialkabel?’

Letztendlich steht der neue Fernseher auf dem alten TV-Möbel. Das zusätzliche Kästchen steht darauf. Sichtbar. Aber ich habe einen Netflix-Knopf. Und einen Disney+-Knopf. Nur weiß ich noch nicht, wie ich den Sender wechseln soll.

Dann war da die schöne Lampe. Wo ich die haben wollte. Darüber hatte ich nachgedacht. Und ich hatte es ausgemessen. Hier musste es sein, an der Wand neben dem Klavier. ‘Und wo wirst du das Licht an- und ausschalten?’ ‘Äh...’ ‘Ja, wir können einen An- und Ausschalter daran machen, aber dann musst du jedes Mal die Treppe zum Klavier hoch.’ (unser Klavier steht auf einem Podest) ‘Äh... Könnt ihr nicht einen Lichtschalter machen?’ ‘Nein, nein, nein. Dann müssen wir die gesamte Elektrik entlang zweier Wände ziehen, muss alles gefräst, verputzt und gestrichen werden. Dann wird es eine sehr teure Lampe.’ Der andere klopft inzwischen an die Wand. ‘Aber das ist Spanplatte. Wenn ich hier bohre, geht alles kaputt.’ Wie oft kann man ‘äh’ in fünf Minuten sagen? Ich glaube, ich habe den Rekord inzwischen gebrochen. ‘Dann stell doch einfach eine Stehlampe in die Ecke?’ schlägt einer der beiden vor. Das Ausrede, dass ich dann auch jedes Mal die Treppe hoch muss, um sie an- oder auszuschalten, fällt mir dann natürlich gerade nicht ein.

Ein Bild aufzuhängen hat geklappt. Auch noch waagerecht. Aber wenn du dich bei einem nächsten Besuch fragst, warum sich in meinem Interieur so wenig verändert, dann weißt du jetzt, woran es liegt.

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